Am 14. November 2019, wurde meine Tochter Naomi geboren. Für mich war dies der schönste Tag in meinem bisherigen Leben. Auch die darauffolgenden Tage waren einfach magisch und wundervoll. Und gleichzeitig war die Geburt auch das Heftigste, was ich jemals erlebt habe.

Wieso möchte ich diese Erfahrung auf diesem Blog teilen? Einerseits dient es ganz einfach mir selbst, um dieses magische Erlebnis irgendwie schriftlich festzuhalten – zumindest so gut wie möglich, denn eigentlich ist es unbeschreiblich. Weiter habe ich auch selbst sehr gerne Erfahrungsberichte von anderen Frauen vor der Geburt meiner Tochter gelesen. Dies gab mir zumindest ansatzweise eine Vorstellung davon, was mich erwartete, und half mir zu entscheiden, wie ich es gerne möchte. Deshalb sehe ich es als wertvoll, Geburtserlebnisse zu teilen. Zudem möchte ich auch einfach ein paar konkrete Tipps weitergeben, die mir geholfen haben, und vielleicht auch für einige von euch nützlich sind.

Wichtig ist mir zu sagen, dass es kein Richtig oder Falsch gibt. Weder beim Gebären noch generell (dazu dieser Artikel). Du entscheidest, wie du deine Geburt haben möchtest. Wie auch immer es schlussendlich auskommt, man kann mit jeder Art des Geburtsverlaufs Frieden schliessen.

Mein Geburtserlebnis

Wie erwähnt ist es meiner Meinung nach nicht möglich, das Erlebnis der Geburt meiner Tochter vollständig in Worte zu fassen. Es war so überwältigend und gleichzeitig wunderschön, dass es nicht einmal die beteiligten Personen wirklich nachvollziehen können. Ich denke, dass es vielen Frauen nach der Geburt so geht. Und mittlerweile verstehe ich, dass das völlig ok ist. Die Erfahrung hat mich geprägt als Mensch. Dadurch trage ich sie weiter in mir. Zudem hat sie mich zur Mutter gemacht, was ich bis zum Rest dieses Lebens sein werde. Das ist eine grosse Veränderung. Und wie ich es aus der Ethnologie weiss, ist es absolut sinnvoll, dass grosse Veränderungen von grossen, emotionalen, starken Übergangsritualen begleitet sind.

Ich wartete schon relativ lange darauf, dass es endlich losgeht. Meine Hebamme hatte nämlich bereits drei Wochen vor dem berechneten Entbindungstermin das Gefühl, die Geburt könne jederzeit einsetzen, da Naomi ihren Kopf bereits so tief hatte und dadurch bereit schien. Schliesslich wurde es eine Woche nach dem Termin. Ich wachte in der Nacht um 00.30 Uhr mit einem Ziehen im Bauch auf. Da das Innere meines Bauches sich eigentlich schon seit Wochen konstant irgendwie angespannt anfühlte, war ich mir nicht sicher, ob das eine Kontraktion war. Ich stand auf. Nachdem dieses Ziehen mit etwas Abstand dazwischen doch noch zweimal auftauchte, weckte ich meinen Mann. Wir wählten die Nummer des Geburtshauses und ich erklärte der Hebamme, die das Telefon abnahm, wie es mir gerade ging. Sie empfiehl mir, ein Bad zu nehmen und später nochmals anzurufen. Mein Mann bereitete mir also ein Bad vor und ich setzte mich hinein. Da die Kontraktionen doch recht häufig auftraten und schon ziemlich heftig waren, begannen wir den Abstand dazwischen zu messen. Es handelte sich nur um einige Minuten. Also rief ich nochmals an und sagte, dass ich gerne ins Geburtshaus kommen möchte.

Mein Mann rief das Taxi und wir kamen um ca. 03.30 Uhr im Geburtshaus an. Dort wurde ich herzlich empfangen und wir gingen direkt ins wunderschöne Geburtszimmer. Bei der Kontrolle stellte die Hebamme fest, dass mein Muttermund bereits ziemlich geöffnet war. Das war für mich sehr ermutigend. Sie rief eine weitere Hebamme an, damit sie mich wie üblich zu zweit begleiten konnten. Bald wurden die Kontraktionen noch stärker. Ich spürte sie nicht mehr nur im Bauchraum, sondern auch im Rücken. Aus dem Stöhnen während der Kontraktionen wurde ein Schreien. Ich versuchte immer wieder andere Positionen. Irgendwann bot mir mein Mann an, Musik einzuschalten. Wir liessen die Mantras von Snatam Kaur laufen, welche uns während der ganzen Geburt begleiteten.

Eine Weile verbrachte ich in der Badewanne. Danach wollte ich mich wieder freier bewegen können und verliess die Badewanne. Als ich auf allen vieren war, platzte die Fruchtblase. Dies war nochmals ein sehr erleichternder Moment. Ich konzentrierte mich auf das Atmen und Entspannen zwischen den Kontraktionen und auf das kraftvolle Hinunterstossen während den Kontraktionen. Zeitweise kam ich wohl in eine Art Trance, was mir erst jetzt im Nachhinein bewusst wird. Irgendwie funktionierte ich einfach und handelte völlig intuitiv. Es gab schon lange nicht mehr wirklich eine Position, die sich gut anfühlte. Also versuchte ich weiterhin Verschiedenes. Gegen Ende war ich für längere Zeit mit den Knien auf dem Boden und stützte mich mit meinen Armen auf meinem Mann, der auf dem Bett sass. Die eine Hebamme wollte nochmals eine Kontrolle machen, um zu sehen, wie weit die Geburt fortgeschritten war. Ich wusste jedoch, dass das nicht mehr nötig war. Also machten wir weiter. Als dann der Kopf rausschaute war klar, dass es nicht mehr lange dauern würde.

Mitten während des Sonnenaufgangs trat Naomi ganz aus meinem Körper aus. Sie lag sanft unter mir am Boden. Ich schaute sie an und war einfach nur glücklich, während ich langsam wieder zu mir kam. Nachdem ich sie willkommen geheissen und einige Worte zu ihr gesprochen hatte, nahm ich sie in meine Arme. Wir hatten es geschafft. Zusammen mit meinem Mann legten wir uns aufs Bett. Mit einigen starken Atemzügen gebar ich die Plazenta. Danach durchtrennten wir die auspulsierte Nabelschnur und wurden eine Weile allein gelassen. Wir hatten Zeit, unser unfassbares neues Familienglück wahrzunehmen und zu geniessen.

Die Hebammen hatten sich die ganze Zeit über grossartig um mich gekümmert. Ich fühlte mich gleichzeitig professionell unterstützt und herzlich umsorgt wie auch selbstbestimmt und frei. Auch mein Mann hätte es mit seiner Ruhe und liebevollen Unterstützung nicht besser machen können.

Was mir geholfen hat 

1. Geburtsort

Ich finde es sinnvoll, sich genug früh Gedanken zu machen, wo man gebären möchte. Schaue dir den Ort an und spüre in dich hinein, ob es sich hier für dich richtig anfühlt. Informiere dich auch über die Werte und Vorgehensweisen in Bezug auf Geburt. Ich hatte das Glück, dass ich das Geburtshaus Le Petit Prince bereits kannte, weil ich dort Babymassage-Kurse gegeben hatte. So wusste ich, dass ich mich dort wohlfühle und deren Philosophie teile.

2. Geburtsbegleiter

Überlege dir gut, wen du bei der Geburt dabeihaben möchtest. In meinem Fall waren es mein Mann und die beiden Hebammen. Die Geburt wird entscheidend durch das Hormon Oxytocin beeinflusst. Wenn uns Personen, denen wir voll vertrauen, auf eine liebevolle Art unterstützen, wird dessen Ausschüttung positiv beeinflusst.

3. Äussere deine Bedürfnisse

Teile den beteiligten Personen im Voraus klar mit, wie sie dich unterstützen können und was du von ihnen wünschst. Auch während der Geburt ist es wichtig, dass du deine Bedürfnisse äusserst. Wir Frauen tendieren manchmal dazu, unsere Bedürfnisse nicht so ernst zu nehmen. Es ist uns lieber, die Bedürfnisse der anderen zu priorisieren, damit wir niemanden verärgern. Die Geburt ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, sich darum zu sorgen, was die anderen denken. Es ist so hilfreich, wenn wir uns frei mitteilen können. Im Geburtsvorbereitungskurs, den ich mit meinem Mann besucht hatte, wurden wir aufgefordert eine Abmachung zu machen, die beinhaltet, dass ich mich für nichts schlecht fühlen muss. Für mich war es sehr hilfreich, von meinem Mann die Bestätigung zu erhalten, dass er nichts persönlich nimmt und alles ok ist. Ich ermutige dich auch, voll auf deine Intuition zu hören. Du weisst am besten, was für dich richtig ist. Nutze dies!

4. Verbinde dich

Aus meiner Sicht gibt es kaum etwas Heiligeres als die Geburt eines Menschen. Wenn du auch nur ansatzweise an irgendeine Form von Spiritualität glaubst, nutze die Kraft, die du daraus schöpfen kannst. Bitte um Hilfe. Du wirst sie bekommen. Du kannst auch an all die Frauen denken, die bereits eine Geburtserfahrung gemacht haben. Ebenfalls kannst du dich mit Mutter Erde, die für die sanfte Kraft der weiblichen Energie steht, verbinden.

5. Lasse Emotionen zu

Für mich war die Geburt meiner Tochter eine Grenzerfahrung. Doch ich wusste, dass es sowieso kein Zurück gibt. Also mache ich einfach weiter. Ich wusste ja, wohin mich der Weg führen würde und dass ein unglaubliches Wunder auf mich wartete. Ich spürte gleichzeitig total unterschiedliche Emotionen. Irgendwie war ich wütend, dass es so heftig war. Und gleichzeitig war ich auch unendlich dankbar, dass ich bald mein Kind in meine Arme nehmen durfte und dass es so gut vorwärts ging. Dieser Mix von so starken Emotionen war irgendwie überwältigend. Es half, dass ich in einem geschützten Rahmen war und sie einfach annehmen und ausdrücken konnte.

6. Vorbereitung

Ich rate dir, dich ein Stück weit auf die Geburt vorzubereiten. Lerne einige Geburtspositionen kennen, die dir gefallen könnten. Übe die Art des Atmens (und Schreiens), die du während den Kontraktionen anwenden wirst. Mir half es sehr, dass ich dies im Rahmen meines Geburtsvorbereitungskurses bereits einmal gemacht hatte. Triff wichtige Entscheidungen im Voraus, wie beispielsweise wann du die Nabelschnur durchtrennt haben möchtest. So wirst du dich sicher fühlen und dich voll auf das Gebären konzentrieren können.

7. Hingabe

Trotz aller Vorbereitung musste ich schlussendlich voll in die Hingabe gehen. Ich wusste einfach, dass alles gut kommt – egal wie. Wirklich planen kann man einen Geburtsverlauf nicht. Deshalb ist es wichtig, im Vertrauen zu sein und alles in Liebe anzunehmen. Ich hatte mir zum Beispiel vorgestellt, dass wir noch Zeit haben würden, den Geburtsraum einzurichten. Dafür hatten wir extra ein Bild ausgedruckt und Kerzen mitgebracht. Ausserdem hat mir mein Mann ein super schönes Entspannungs-Audio aufgenommen, das ich schlussendlich nie angehört habe. Es ging einfach schneller als gedacht. Ebenfalls hatte ich mir vorgestellt, dass eine schmerzarme Geburt möglich ist. Es gab Frauen, die mir erzählt hatten, dass die Kontraktionen bei ihnen wie sanfte Wellen gewesen waren und ich mich darauf freuen könnte. Dies habe ich mir so sehr gewünscht. Während der Geburt durfte ich feststellen, dass es für mich dieses Mal wohl anders gedacht war. Zuerst fiel es mir schwer, die Schmerzen anzunehmen. Doch auch das wurde zum Geschenk, als ich in die Hingabe ging. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür, weil ich damit erfahren konnte, wie stark ich eigentlich bin, wozu mein Körper fähig ist und was ich alles aushalten kann.

Ich hoffe, diese Tipps helfen dir, deine Traumgeburt für dich zu kreieren. Alles ist möglich. Da ich weiss, dass es noch immer viele Leute gibt, die denken, Geburt sei etwas absolut Schlimmes, möchte ich dir eine andere Perspektive darauf geben. Geburt ist Geburt. Eigentlich unbeschreiblich. Und jede Geburt ist anders. Es kann gut gehen. Es kann absolut magisch, wunderschön und traumhaft sein. Und du kannst das mitbeeinflussen.

Hat dich dieser Artikel inspiriert oder kennst du jemand, die davon profitieren könnte? Gerne darfst du ihn teilen!

Falls du von deinem Geburtserlebnis berichten möchtest, darfst du das gerne in den Kommentaren tun. Ich freue mich, davon zu lesen! ????

Alles Liebe

Lisa

Kommentieren