Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) ist sehr weit verbreitet. Es beinhaltet zahlreiche Symptome, welche bei Frauen kurz vor der Menstruationsblutung auftreten können. Ich bin der Meinung, dass diese teilweise sehr belastenden Symptome nicht als «normal» betrachtet werden müssen. Unter anderem ist es möglich, mithilfe der ayurvedischen Frauenheilkunde Abhilfe zu schaffen.

Was ist Ayurveda?

Ayurveda ist ein jahrtausendealtes Medizinsystem, welches seine Wurzeln in Indien hat. Es beinhaltet ganz viele einzigartige Konzepte, um den Menschen und seine Gesundheit zu verstehen. Ebenso gibt es im Ayurveda verschiedene Methoden, um Gesundheit wiederherzustellen, wenn sie aus der Balance geraten ist und Beschwerden auftreten. Eine besonders grosse Rolle spielt dabei die Ernährung, die gerne mit passenden Heilpflanzen ergänzt wird.

Striroga – die ayurvedische Frauenheilkunde

Auch für Frauen in verschiedenen Lebensphasen gibt es im Ayurveda viele hilfreiche Tipps. Sie gehören zur Striroga, der ayurvedischen Frauenheilkunde. Frauen haben im Gegensatz zu Männern besondere Eigenschaften und Bedürfnisse, die berücksichtigt werden müssen. Gemäss der ayurvedischen Elementenlehre haben sie einen grösseren Erdanteil, welcher dem sogenannten «Kapha-Dosha» entspricht. Für mich hat Kapha auch ganz viel mit dem Prinzip der weiblichen Energie zu tun. Nebst den allgemeinen Empfehlungen für Frauen ist jedoch auch zu beachten, dass jede Frau ihre individuelle Konstitution hat.

Die drei Doshas

Nebst dem Kapha-Dosha, welches hauptsächlich aus Erde besteht, gibt es noch zwei weitere Doshas. Das Pitta-Dosha ist vorwiegend aus Feuer und das Vata-Dosha vorwiegend aus Luft gebildet. Jede Person hat von Geburt an eine individuelle Konstitution mit einem oder zwei dominanten Doshas. Aus verschiedenen Gründen kann dieser individuelle Gleichgewichtszustand aus der Balance geraten. Kapha ist das Prinzip der Struktur, Pitta ist das Prinzip der Transformation und Vata ist das Prinzip der Bewegung. Geerdete Kapha-Menschen sind im Gleichgewichtszustand gemütlich, herzlich und strukturiert. Sie mögen Routinen und arbeiten gerne mit den Händen. Feurige Pitta-Menschen sind im Gleichgewichtszustand energetisch, intelligent und ausdrucksstark. Sie mögen Herausforderungen und können sich gut durchsetzen. Luftige Vata-Menschen sind im Gleichgewichtszustand einfühlsam, kreativ und träumerisch. Sie machen sich gerne viele Gedanken und mögen spontane Veränderungen.

PMS-Symptome und die Doshas

Um deine Gesundheit zu fördern, ist zu beachten, welche Doshas bei dir im Gleichgewichtszustand dominant sind und welche Ungleichgewichte zurzeit bestehen. Damit hast du schonmal ganz besondere Bedürfnisse. Wenn du deine Grundkonstitution kennen und individuelle Tipps dazu erhalten möchtest, darfst du gerne bei mir eine Konstitutionsbestimmung oder Ayurveda Ernährungsberatung machen.

Nicht nur Menschen mit ihren Eigenschaften, sondern auch die PMS-Symptome können in die drei Doshas eingeteilt werden. Um ganz gezielt deine PMS-Symptome auszugleichen, ist zu berücksichtigen, zu welchem Dosha sie gehören.

Vata-PMS: Kopfschmerzen, Krämpfe, Verstopfung, Blähungen, schwankende Stimmung, kreisende Gedanken

Pitta-PMS: Durchfall, Hautunreinheiten, Heisshunger, Aggressivität

Kapha-PMS: Übelkeit, Wassereinlagerungen, Schwindel, Trägheit

Was tun bei Vata-, Pitta- oder Kapha-PMS?

Idealerweise würdest du deine individuelle Dosha-Zusammensetzung und dein generelles Ungleichgewicht miteinbeziehen, wenn du dich für Ernährungs- und Lebensstilanpassungen entscheidest. Doch um die akuten Symptome punktuell zu lindern, können folgende ayurvedische Tipps generell äusserst wirksam sein.

Tipps bei Vata-PMS:

Vata-PMS deutet auf einen Überschuss an Luft hin, welcher ausgeglichen werden sollte. In erster Linie benötigst du Wärme, Flüssigkeit und Nährendes. Das bedeutet, dass eine Wärmeflasche, aber auch eine Selbstmassage mit leicht erwärmtem Sesamöl helfen können. Für dich ist es besonders wichtig, dass du dir ausreichend Ruhe gönnst. Achte auch auf genügend Schlaf. Ein Chai-Tee mit wärmenden Gewürzen wie Zimt, Ingwer und Fenchel tut dir bestimmt sehr gut. Am besten geniesst du ihn mit etwas warmer Getreidemilch. Iss genug vollwertige Kohlenhydrate und gekochtes Gemüse. Suppen und Eintöpfe eignen sich besonders gut dafür. Sehr trockene Speisen wie Knäckebrot oder Reiswaffeln sind weniger gut geeignet, da du bereits zu Trockenheit neigst. Als Frühstück empfehle ich dir einen warmen Getreidebrei mit gedünstetem Obst und Mandelmus oder Tahin. Sehr scharfe und sehr bittere Speisen solltest du eher meiden und stattdessen milde, süsse, leicht verdauliche Mahlzeiten bevorzugen. Rohkost würde ich für eine Zeitlang meiden, da es dich noch mehr auskühlen würde. Schmerzlindernde Gewürze sind Ingwer, Muskat und Schwarzkümmel.

Tipps bei Pitta-PMS:

Wenn du typische Pitta-Symptome vor deiner Menstruationsblutung hast, deutet dies auf zu viel Hitze hin. Alles, was dich auf eine milde Art abkühlt und besänftigt, ist hilfreich. Gerne darfst du dich mit kühlendem Kokosöl selbst massieren. Besonders entzündungshemmend ist die Kurkumawurzel. Du kannst dir beispielsweise ein lauwarmes Kurkuma Latte zubereiten. Püriere dafür frische Kurkumawurzel, etwas Pfeffer, etwas Zimt, Kokosmilch (oder Wasser und Kokosmus) und ein paar Datteln in einem leistungsstarken Mixgerät. Anregende Substanzen wie Alkohol, Kaffee oder Chili solltest du meiden. Ebenfalls solltest du nicht allzu salzig essen. Empfehlenswert ist eine leichte Ernährung mit viel wasserhaltigem Gemüse, welches du beispielsweise dünstest oder mit wenig Öl anbrätst. Um Heisshunger vorzubeugen hilft es, ausgewogen zu essen, also vollwertige Kohlenhydrate sowie gesunde Proteine und Fette in deinen Speiseplan zu integrieren. Falls du es gut verdaust, kannst du dein Gemüse teilweise roh geniessen. Als Zwischenmahlzeit eignet sich süsses Obst oder Trockenobst. Besänftigende Gewürze sind Kardamom, Vanille und Rose. Pfefferminze wirkt kühlend und kann bei Hitzewallungen als Tee in Zimmertemperatur getrunken werden. Gegen Durchfall kann gekochter Reis mit Kokosjoghurt und etwas Muskatnuss oder gemahlenem Koriander hilfreich sein. Achte darauf, dass du nicht zu viel arbeitest, sondern gönne dir immer mal wieder eine Pause, um tief durchzuatmen.

Tipps bei Kapha-PMS:

Leidest du unter Kapha-PMS, sind in dieser Zeit dein Erd- und dein Wasserelement erhöht. Deine körperlichen Vorgänge werden dadurch verlangsamt und es können sich verschiedene Formen von zähem und kühlem Schleim bilden. Für dich ist es gut, wenn du bewegt, angeregt und aufgewärmt wirst. Ich empfehle dir eine leichte Ernährung, die vorwiegend aus schonend zubereitetem Gemüse besteht. Gerne darfst du belebende Gewürze wie Ingwer, Pfeffer, Salbei, Knoblauch oder Bockshornklee dazugeben. Dein Essen darf etwas Schärfe enthalten. Ebenso solltest du bittere Gemüsesorten wie jegliche Kohlsorten oder Rettich zu dir nehmen. Leichte Pseudogetreide wie Buchweizen oder Hirse sind ebenfalls gut. Rohes oder fettig angebratenes Essen ist für dich wahrscheinlich zu schwer verdaulich. Gegen Übelkeit kannst du einen Ingwer-Zitronen-Tee zubereiten. Gib dafür ein paar Stücke Ingwer in heisses Wasser und lasse dies ungefähr 10 Minuten köcheln. Giesse das Wasser ab und mische es mit etwas frischem Zitronensaft. Brennessel hat eine entwässernde Wirkung und kann ebenfalls als Tee getrunken werden. Du solltest dich unbedingt genug bewegen. Kurz vor der Menstruationsblutung ist zwar kein intensiver Sport zu empfehlen, doch zügige Spaziergänge an der frischen Luft können sich durchaus positiv auf dein Wohlbefinden auswirken.

Ich hoffe, dass dir dieser Artikel hilft, deine PMS-Symptome besser einordnen zu können und dass du einige Tipps, um sie zu lindern, für dich mitnehmen kannst.

Alles Liebe

Lisa

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